Inga Klas Fotografie

Foto-Workshop mit Benjamin Jaworskyj

Ich gebe zu: Landschaftsfotografie hat mich bis vor Kurzem nicht die Bohne interessiert. Wenn ich draußen war, wollte ich die Natur genießen, ohne irgendwelche Gerätschaften mit mir rumzuschleppen. Dann kam mir aber eine Idee für ein Foto-Projekt, in das ich die Landschaft mit einbeziehen möchte. Fast zeitgleich gingen die diesjährigen Kurse von Benjamin Jaworskyj in den Verkauf. Da dacht ich mir, verbinde ich doch das Angenehme mit dem Nützlichen, denn unter fachkundiger Anleitung draußen beim Wandern zu lernen ist tausend Mal besser als sich stundenlang YouTube Videos reinzuziehen. Also hab ich 3 Tage Schwarzwald-Workshop gebucht.

Tag 1 – Mummelsee und Gertelbach-Wasserfälle

Der erste Tag beginnt früh: Sonnenaufgang fotografieren oberhalb des Mummelsees.  Noch bevor ich das erste Foto machen kann, schwächelt mein Stativ. Ein Bein baumelt mir lose entgegen. Klar, hat 20 Jahre gehalten, um genau jetzt kaputt zu gehen, wo man es wirklich mal braucht. Gaffa-Tape hilft erst mal weiter, so dass ich doch noch zu meinem Foto vom Sonnenaufgang komme. Hier lerne ich Regel #1 der Landschaftsfotografie: Zeit nehmen für die Bildkomposition. Und siehe da: mit einem geschickt platzierten Etwas im Vordergrund, wird so ein Sonnenaufgang gleich viel spannender:

Mummelsee Sonnenaufgang

Unten am Mummelsee gibt es die nächsten Instruktionen: wenns nicht spiegeln soll, am Polfilter drehen, wenn die Sonne reinblendet, Histogramm checken. Spiegeln tuts jetzt zwar nicht mehr aber kompositorisch werde ich noch nicht richtig warm. Auf der Suche nach dem richtigen Spot pirsche ich weiter um den See. Zumindest der Sonnenstern sitzt:

Mummelsee

Die Sonne steigt höher und auf einmal passt alles zusammen: der angestrahlte Stein im Vordergrund, das Hotel, die Baumreihe. Zum ersten Mal hab ich das Gefühl, dass die Elemente ein stimmiges Bild ergeben.

Mit dem Auto geht es weiter zu den Gertelbach-Wasserfällen. Langzeitbelichtete Wasserfälle fand ich bisher nicht so furchtbar spannend aber die Magie packt einen aber, sobald man das erste Foto selbst gemacht hat. OK, sagen wir, das erste scharfe und unverwackelte Foto. Mit manuellem Fokussieren und einem kurzem Auslösetimer klappt das nach ein paar Versuchen auch ganz gut und dann ist man der Wasserfallfotografie hoffnungslos verfallen. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind unendlich. Das Resultat: hunderte von Wasserfallfotos auf meiner Festplatte. Die Strafe: stundenlanges Aussortieren.

Gertelbach Wasserfälle

Nachdem mein Stativ ja schon etwas wacklig war, habe ich alle Aufnahmen im und am Wasser mit meiner Sony A58 fotografiert und die große Kamera im Rucksack gelassen. Das Ergebnis hat mich positiv überrascht, so dass ich sie jetzt doch wieder öfter einpacken werde.

Kamera mit Stativ

Tag 2 – Geroldsauer Wasserfälle und Karlsruher Grat

Am zweiten Tag starten wir nachmittags zu den Geroldsauer Wasserfällen. Nochmal Wasserfälle? Ja, aber diesmal ein breiter, dafür flacher Bachlauf. Langsam arbeiten wir uns das Tal hinauf, von einer malerischen Stelle zur nächsten.

Geroldsauer Wasserfall

Es würden jetzt bestimmt noch tausend Stromschnellen- und Wasserfallfotos kommen, wenn sich nicht genau hier mein Stativ endgültig verabschiedet hätte.

Besser gesagt: ein großer Stein löste sich und gab ihm den finalen Todesstoß. Die Kamera blieb zum Glück über Wasser und meine Füße waren auch nicht drunter. Definitiv die Lektion des Tages: Umgebung auf Stabilität abchecken, bevor man sein Equipment aufbaut.

Weiter geht es ohne Stativ und ohne Langzeitbelichtungen. Zum Glück gibts ja noch viele andere Dinge zu sehen, wie zum Beispiel die Rafting-Enten, die sich in einem Höllentempo den Bach runterstürzen.

Enten

Zweite Station an diesem Tag ist der Karlsruher Grat. Hier war ich während des Studiums mal auf Exkursion und konnte mich noch dunkel erinnern, dass der Aufstieg nicht ganz ohne war. Mit Kameraausrüstung auf dem Rücken wird das nicht besser aber wir sind dann doch alle irgendwie hochgekommen. Bei traumhafter Aussicht erklärt uns Ben verschiedene Arten Panoramen zu fotografieren. Danach warten wir auf den Sonnenuntergang…

Karslsruher Grat
Karlsruher Grat
Karlsruher Grat

Da isser:

Im Dunkeln machen wir uns an den Abstieg – Nachtwanderungs-Feeling mit Taschenlampen. Die ganz Harten machen sich tatsächlich mitten in der Nacht noch auf, um die Milchstraße zu fotografieren. Ich für meinen Teil sortiere lieber schon mal meine tausend Wasserfallfotos und genieß den kurzen aber immerhin unterbrechungsfreien Schlaf. Die Milchstraße läuft ja zum Glück nicht weg…

Tag 3 – Obstblüte und Bildbearbeitung

Am Morgen des dritten Tages gehts ins Tal, um die blühenden Obstbäume zu fotografieren. Perspektivenwechsel ist angesagt und so robben 10 Fotografen im Frühtau nicht zu Berge, sondern auf der Streuobstwiese rum. Es lohnt sich:

Streuobstwiese

Was mich fast um den Verstand bringt, ist die Nachbearbeitung der Obstbäume im Gegenlicht. Irgendwie sehen die Blüten immer schmuddelig und matschig aus. Um meinen gechillten Seelenfrieden, den ich mir die letzten Tage erwandert habe, nicht zu gefährden, geh ich an dieser Stelle auf Schwarz-Weiß und verschiebe dieses Motiv auf nächstes Frühjahr. :-]

Streuobstwiese

Steht der Obstbaum nicht im Gegenlicht, sieht das in Farbe auch gleich viel besser aus!

Den Abschluss des Workshops bildet eine Bildbearbeitungs- und Review-Session. Ben gibt uns Feedback zu unseren Fotos  und erklärt, wie wir sie in der Nachbearbeitung noch weiter verbessern können (endlich Luminanzmasken kapiert… :] ). Am späten Nachmittag geht es bei strahlendem Sonnenschein auf der B500 in Richtung Heimat, um dort die restlichen 5000 Fotos zu sortieren.

Nach den 3 Tagen ist mir klar, warum ich mit der Landschaftsfotografie bisher nie warm geworden bin: weil ich mir nie Zeit für sie genommen habe. Gute Landschaftsaufnahmen macht man nicht in ein paar Minuten und es gibt viele Variablen, die man nicht beeinflussen kann. An Ostern wollte ich mit meinem neuen (!) Stativ  los, um einen Wasserfall zu fotografieren (total angefixt, wie ihr seht…), hat es mir doch prompt über Nacht 10cm Schnee vor die Nase gesetzt und ein Abstieg zum Wasserfall war nicht mehr möglich. Bin stattdessen dreimal auf die Alb hochgefahren, um bei verschiedenen Lichtverhältnissen zu fotografieren. 5 Fotos sind rausgekommen, die ich von dieser Stelle aus so gut noch nie hinbekommen habe: https://ingaklas-foto.de/portfolio/ostern-auf-der-schwaebischen-alb/. Ich werde bei Gelegenheit mal die alten Fotos zum Vergleich raussuchen. Mein Fazit: der Workshop hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Vielen Dank noch mal an Ben und Timothy und dicke Grüße an den Rest der Workshop-Truppe!

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